Spurensuche

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Spuren suchen gehörte mit zur Ausbildung Wildnispädagogik.

Wer im Wald unterwegs ist, muss eigentlich keine Spuren suchen, sie sind überall zu finden, nicht immer sehr deutlich, aber sie sind da. Gern folge ich den Tierpfaden, die sich durch den Wald ziehen. Ich weiß nicht genau, welche Tiere diese Pfade angelegt haben, sie immer wieder benutzen, ich habe nur eine Ahnung davon. Manchmal entdecke ich einen Fußabdruck oder ein Tier-Klo oder eine Ruhestätte, ein verlassenes Nest, eine Baumhöhle mit Spechtjungen.

In der Ausbildung ging es nicht nur um das Finden einer Spur und das Herausfinden, welches Tier diese Spur hinterlassen hat. Die Frage am Ende hieß: wie hat sich dieses Tier gefühlt? Wir schauten unseren Lehrer etwas verständnislos an. Aus der Tierspur ließ sich tatsächlich ersehen, in welcher Geschwindigkeit es sich bewegt hat, ob es zwischendurch stand und sich umschaute oder ob es auf der Flucht war. Wir hatten also doch eine Ahnung von der Stimmung des Tieres.

Ich frage mich, ob sich diese Erkenntnisse auch auf uns Menschen übertragen lassen.
Auch wir hinterlassen Spuren, als Einzelne, als Paare, Familien, Gruppen, Gemeinschaften…
Wir hinterlassen sehr unterschiedliche Spuren, in der Tonne für den grünen Punkt, in der Papier- oder Restmülltonne, im Glascontainer, im Kompostbehälter…

Hoffentlich hinterlassen wir auch andere Spuren:
ein Lächeln im Gesicht eines fremden Menschen,
eine unerwartete Unterstützung für jemanden in Not,
eine Unterschrift in einer Petition gegen Pesdtizid-Einsatz,
im respektvollen Umgang mit einer anderen Meinung, …

Egal, was wir tun, wir hinterlassen Spuren,
aber es ist nicht egal, was für Spuren das sind.

Sind wir auf der Suche, gute Spuren zu hinterlassen?

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